In der Debatte um die Zukunft des ländlichen Tourismus gibt es eine These, die mich nicht loslässt: Der Tourismuswissenschaftler Dr. Andreas Zimmer beschreibt Tourismus in dünn besiedelten Räumen nicht als Marktmechanismus, sondern als Beziehungssystem zwischen Menschen, Landschaft und Bedeutung.
Als Winzer und Gastgeber in Göttlesbrunn im Weinbaugebiet Carnuntum – zwischen Wien und Bratislava – erkenne ich mich darin wieder. Seit mehr als 30 Jahren führe ich ein kleines Weingut mit Gästezimmern. Wir liegen zwischen zwei Hauptstädten, haben eine der ältesten Weinbauregionen Österreichs vor der Haustür, eine faszinierende römische Geschichte, Schlösser, Nationalpark, Radwege. Und trotzdem: echten Weintourismus gibt es bei uns kaum, obwohl wir mitten in einer Metropolenregion liegen, nur 3 Kilometer von der Autobahn entfernt.
Warum? Weil Tourismus, der wirklich funktioniert, nicht über Plattformen und Pakete entsteht. Er entsteht über Begegnung.
Meine treuesten Kunden sind Privatkunden. Sie kommen als Gäste und kaufen unsere Weine, weil sie bereit sind, Neues zu entdecken und zu erfahren. Im Gegenzug besuche ich auch sie – und bringe Wein – persönlich mit dem Auto. Diese Menschen holen sich mit jeder Flasche Wein ein Stück Carnuntum nach Hause. Das ist keine Logistik, das ist Beziehung.
Die Gäste, die am längsten bleiben und am tiefsten in die Region eintauchen, sind jene, die sich öffnen. Die nicht nur schlafen, sondern fragen. Die nicht nur frühstücken, sondern zuhören. Die abends durch die Weinberge spazieren, weil sie spüren wollen, woher der Wein kommt.
Zimmer schreibt: „Nicht Wachstum, sondern Beziehung. Nicht Markt, sondern Sinn.“
Das ist auch meine Erfahrung nach 30 Jahren. Der Gast, der wiederkommt, kommt nicht wegen des Preises. Er kommt wegen des Moments – beim Frühstück, bei der Weinverkostung, beim Gespräch am Abend.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis für die Zukunft des ländlichen Tourismus: Nicht mehr Angebote, nicht mehr Pakete, nicht mehr Plattformen. Sondern mehr Mut zur Echtheit. Mehr Bereitschaft zur Begegnung – auf beiden Seiten.
Die Landschaft zwischen Heidentor und Stephanskrone hat alles, was es dafür braucht. Man muss sich nur ein klein wenig öffnen.
Manfred Edelmann, Weingut & Gästezimmer Edelmann, Göttlesbrunn – Carnuntum
Hier der Beitrag von Dr. Andreas Zimmer:

